- Ställe.
Jedenfalls nicht im Sinne von Viehställen. (Der Begriff “Erdstall” kam schon vor mehreren Jahrhunderten in Gebrauch, als das Wort “Stall” auch in der Bedeutung “Stelle” verwendet wurde.)
- Bergbaustollen.
Zwar mögen zum Graben der Gänge und Kammern in Erdställen bergbauliche Kenntnisse nützlich gewesen sein – doch es gibt keine Hinweise darauf, dass dort Bodenschätze systematisch abgebaut wurden.
- Verbindungs- oder Fluchtgänge.
Nein – ein Erdstall hatte im Regelfall nur einen einzigen Zugang; der Eingang war der Ausgang.
- Ausgedehnt.
Eher nicht – die Gesamtlänge der Gänge von Erdställen beträgt selten mehr als 50 Meter.
- Fundleer.
Nicht grundsätzlich – in vielen Erdställen hat man Gegenstände aus der Nutzungszeit gefunden: Keramikscherben, Metallteile, Tierknochen, Holzkohle.
- Schatzkammern.
Nicht doch – alle Fundstücke aus Erdställen haben keinen nennenswerten Materialwert.
- “700 allein in Bayern bekannt”.
Nein – diese Zahl, die in der Vergangenheit immer wieder zitiert wurde, ist zu hoch gegriffen und geht auf eine alte Auflistung zurück, die auch unbestätigte Hinweise und unüberprüfbare Erzählungen einbezog. Eine eher zutreffende Angabe ist “ca. 200 allein in Bayern bekannt”.
- In zeitgenössischen Schriften behandelt.
Dass Erdställe in den heute noch bekannten mittelalterlichen Dokumenten nicht beschrieben werden, ist sehr bedauerlich – aber auch nicht verwunderlich; schließlich sind auch zu den allermeisten oberirdischen Bauten des Hochmittelalters (wie Burgen oder Kirchen) keine Details aus Schriftquellen ihrer Entstehungszeit bekannt.
- In mündlichen Überlieferungen dokumentiert.
Zwar sind mancherorts bis in die Gegenwart Sagen erzählt worden, in denen unterirdische Gänge und ihre mutmaßlichen, zwergenartigen Bewohner (in Bayern oft “Schrazeln” genannt) vorkommen, aber nähere Informationen über Eigenschaften von Erdställen haben sich für die Forschung hieraus nicht ergeben.
- Mysteriös oder rätselhaft.
Auch wenn bei den meisten Erdställen der ursprüngliche Erbauungszweck unbekannt ist: Nichts spricht gegen die einfache Erklärung, dass es sich um künstliche Höhlen handelt, die vor einigen Jahrhunderten von Menschen gegraben worden sind. (Ganz ähnlich wie andere unterirdische Bauten, wie beispielsweise Vorratsgruben, Brunnenanlagen, Bergwerksstollen oder Wassergänge.)
- Im Zuständigkeitsbereich öffentlicher Stellen.
Nur selten – die meisten Erdställe befinden sich auf privatem Grund und Boden und unterliegen der Kontrolle ihrer Eigentümer.
- Unantastbar.
Nicht wirklich – ein Erdstall dürfte sogar zerstört werden (z.B. im Rahmen eines Bauvorhabens), falls die zuständige Denkmalbehörde hierfür die entsprechende Genehmigung erteilt hat und der Erdstall archäologisch dokumentiert wurde.
- Besichtigungsobjekte.
Da Erdställe fragile Gebilde sind, in denen immer das Risiko besteht, Beschädigungen anzurichten, werden sie auch von Forschern normalerweise nur zu Untersuchungszwecken betreten. Aber es gibt es eine Reihe von Filmberichten über Erdstallbegehungen in TV-Mediatheken und Videoportalen, teilweise auch von professionellen Produzenten. Hier bekommt man nicht nur Eindrücke vermittelt, wie es im Innern eines Erdstalls aussieht, sondern auch davon, wie mühselig die Fortbewegung in den engen und niedrigen Gängen sein kann.
- Ergiebig für die Akademikerkarriere.
Bisher jedenfalls nicht: Es sind zwar bereits mehrere Abschlussarbeiten (Magister, Diplom, Bachelor) mit einem Schwerpunkt auf einem oder mehreren Erdställen an deutschen Hochschulen geschrieben worden. Aber bei keiner dieser Arbeiten ist die Thematik von den Autor(inn)en oder den betreuenden Instituten weitergeführt worden.
- Weithin bekannt.
Leider nicht – wie man immer wieder feststellt, ist das Wissen über Existenz und Eigenschaften von Erdställen nicht gerade breit gestreut. Und selbst bei Archäologen oder Historikern kann man hierzu auf Unkenntnis stoßen.
(Wer allerdings diese Website bis hierhin gelesen hat, ist vom Wissensstand her schon weiter als geschätzt 98% der Bevölkerung … :-)
- Ein globales Phänomen.
Zwar gibt es historische unterirdische Anlagen mit ähnlichen Merkmalen auf mehreren Kontinenten (in Europa die meisten in Frankreich und Irland). Aber die hier behandelten Erdställe besitzen einige Eigenschaften, die es in dieser Kombination andernorts kaum gibt, so dass sie als eine eigenständige Kategorie von Erdbauten gelten können.
- Ein regionales Phänomen.
Immerhin gibt es Erdställe in Deutschland, Österreich, Tschechien, möglicherweise auch in der Schweiz (zur Zeit ihrer Entstehung verliefen die politischen Grenzen ohnehin anders als heute). Zusammenfassend kann man sagen, dass unterirdische Anlagen dieser Art bislang nur im deutschsprachigen Raum (und seinen Grenzgebieten) gefunden wurden.
- Einfach zu ergründen.
Nein, das sind sie wirklich nicht.
Aber das macht ja auch einen Teil ihrer Faszination aus.